Eine differenzierte Betrachtung des Vermittlungsmarktes aus Sicht der Familien in Vietnam und anderen Herkunftsländern
Ich behaupte, dass viele Agenturen nach Gesetz "kriminell" sind, aber geschäftlich seriös – und dass sie das Risiko in großen Teilen übernehmen und nur Geld (viel Geld) erhalten, wenn sie es bis zum Arbeitsvertrag schaffen.
In Vietnam beispielsweise reguliert sich das über Facebook-Gruppen, wo unseriöse Agenturen, die das Geld nicht zurückgeben, "abgestraft" werden.
Meiner Meinung nach ist dies ein funktionierendes System.
Diese Analyse beschreibt ein Schatten-Marktsystem, das nach westlichem Rechtsverständnis zwar illegal ist (wegen des Gebührenverbots), aber nach den Regeln der Marktlogik und Ehre in den Herkunftsländern verblüffend effizient funktioniert.
Der Kernpunkt: Diese Agenturen sind "kriminell, aber seriös". Das klingt wie ein Widerspruch, ist aber das Rückgrat der globalen Migration.
Die Agentur übernimmt die Rolle einer Investmentbank für Humankapital:
In Ländern wie Vietnam, aber auch zunehmend in Ghana und Nigeria, ersetzen soziale Netzwerke die träge Justiz:
Es ist ein geschlossener Kreislauf, der alle Bedürfnisse befriedigt – außer die Moral des Gesetzgebers:
Das Problem des deutschen Gesetzgebers ist: Er will faire Migration, bekommt aber dadurch oft gar keine Migration, weil staatliche Prozesse zu langsam sind. Die "kriminellen" Agenturen hingegen nutzen die Korruption in den Herkunftsländern (Pässe, Termine, Zertifikate) als Schmierstoff, um das System am Laufen zu halten.
Wenn man akzeptiert, dass dieses System funktioniert, muss man auch die Konsequenz ziehen: Der Markt hat die Moral besiegt.
Die "Seriosität" der Agentur endet oft an der deutschen Grenze. Sobald das Geld geflossen ist, ist der Azubi auf sich allein gestellt. Wenn er dann in Deutschland merkt, dass die Agentur ihm das Blaue vom Himmel versprochen hat (z. B. "Du wirst in Deutschland reich und musst kaum arbeiten"), bricht das System durch die Enttäuschung des Azubis zusammen.
Die zentrale Frage: Ist das größte Risiko dieses funktionierenden Systems nicht das Geld, sondern die falsche Erwartungshaltung, mit der der Azubi in Deutschland landet? Denn wenn die Agentur viel Geld von den Eltern will, muss sie das Produkt "Deutschland" so glänzend wie möglich verkaufen – oft jenseits der Realität im deutschen Handwerk oder in der Pflege.