Für proaktive Unternehmen

Was Ihre zukünftigen Azubis typischerweise
aus eigener Tasche zahlen

Die duale Ausbildung in Deutschland ist kostenlos und vergütet – aber der Weg dorthin kostet Nicht-EU-Auszubildende oft Tausende Euro. Proaktive Unternehmen können den Unterschied machen.

Was Auszubildende selbst investieren

Bevor ein Nicht-EU-Auszubildender überhaupt nach Deutschland einreisen kann, fallen erhebliche Vorleistungen an. Die duale Ausbildung selbst ist kostenlos und wird vergütet – aber die Vorbereitung und Bürokratie kosten Geld, das viele Familien nur schwer aufbringen.

Kostenpunkt Betrag Hinweis
Visumgebühr 75 € Pauschal für nationales Visum (§ 16a AufenthG)
Sprachkurs (B1/B2) 500 – 2.000 € Abhängig von Land und Anbieter (z. B. Goethe-Institut)
Übersetzungen / Beglaubigungen 200 – 600 € Zeugnisse müssen offiziell übersetzt werden
Sperrkonto (Finanzierungsnachweis) ca. 11.904 €/Jahr Nur nötig wenn Ausbildungsvergütung unter ca. 992 € netto
Beschleunigtes Verfahren 411 € Wird oft vom Arbeitgeber übernommen
Vermittlungsagenturen – zwei Modelle:
  • Employer-Pays-Modell: Der Arbeitgeber zahlt die Agentur (3.000 – 8.000 €). Für den Azubi: 0 €.
  • Applicant-Pays-Modell: Der Azubi zahlt selbst für Vermittlung, Coaching und Abwicklung – teils 2.000 bis 15.000 €.

Hinweis: Laut § 296 SGB III darf eine Agentur für die reine Vermittlung maximal 2.000 € vom Bewerber verlangen.

Regionale Beispiele: Was Azubis tatsächlich zahlen

Die Gesamtinvestition variiert stark nach Herkunftsland. Familien verschulden sich teils erheblich, um ihren Kindern den Weg nach Deutschland zu ermöglichen.

🇻🇳 Vietnam (Pflege-Azubis)
8.000 – 12.000 €
  • Intensiv-Sprachkurs bis B2
  • Agentur-Servicepaket
  • Flug + erste Unterkunft

Familien verschulden sich oft, da das Lohnniveau in Vietnam niedrig ist.

🇪🇺 Westbalkan (Handwerk/Bau)
2.500 – 4.000 €
  • Räumliche Nähe zu Deutschland
  • Bestehende Netzwerke
  • Geringere Agenturkosten
🇮🇳 Indien / Philippinen
4.000 – 8.000 €
  • Intensiv-Sprachkurs bis B1/B2
  • Placement Services
  • Dokumentenvorbereitung
  • Flug + erste Unterkunft
Wichtig zu wissen:

Die Ausbildungsvergütung (ca. 700 – 1.200 € brutto) reicht oft knapp zum Leben – aber nicht, um große Schulden im ersten Jahr zurückzuzahlen.

Kontrast: Kosten über die Arbeitsagentur (APAL)

Das Projekt APAL der Bundesagentur für Arbeit vermittelt gebührenfrei – aber der Arbeitgeber übernimmt dafür die Vorbereitungskosten. Ein direkter Vergleich zeigt, wie unterschiedlich die Lasten verteilt sind:

👤 Azubi zahlt selbst (ohne APAL)

  • Sprachkurs B1/B2
  • Agenturgebühren / Vermittlung
  • Übersetzungen, Visum
  • Flug + erste Unterkunft
  • Ggf. Sperrkonto
2.500 – 15.000 €
vs.

🏢 Arbeitgeber zahlt (über APAL)

  • Spracherwerb im Herkunftsland
  • Visum + Reisekosten
  • Starthilfe + erste Miete
  • Weiterführender Deutschkurs
  • Vermittlung: kostenlos (ZAV)
3.750 – 10.600 €
Der entscheidende Unterschied:

Bei APAL investiert der Arbeitgeber – ein Unternehmen mit Umsatz und Liquidität. Ohne APAL investiert der Azubi bzw. dessen Familie – oft aus einem Land mit niedrigem Lohnniveau, teils mit Schulden finanziert. Die Summen sind ähnlich, aber die Belastung ist grundverschieden.

Wie eine faire Kostenteilung aussehen könnte

Nicht jedes Unternehmen kann oder will das volle APAL-Programm nutzen. Aber auch eine teilweise Übernahme von Kosten macht einen riesigen Unterschied – und bindet den Azubi stärker an Ihr Unternehmen.

Warum sich das lohnt:
  • Geringere Abbruchquote: Azubis, die nicht unter Schulden leiden, lernen besser und bleiben länger
  • Stärkere Bindung: Wer unterstützt wird, fühlt sich dem Unternehmen verbunden
  • Steuerlich absetzbar: Ausbildungskosten sind als Betriebsausgaben absetzbar
  • APAL-Rückkehrquote nur 7 %: Wenn Arbeitgeber investieren, bleiben 93 % der Azubis

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